Singlebörsen-News vom 22. Juni 2011
Sexbotschaften im Internet Kann man virtuell fremdgehen?
In den USA tobt derzeit eine heiße Debatte darüber, ob Online-Flirts oder virtuelle Sexkontakte als Seitensprünge und Untreue zu betrachten sind. Ausgelöst wurde die Kontroverse durch den Skandal um die Twitter-Bilder des US-Abgeordneten Anthony Weiner.
Empörung in USA über das Fremdgehen mit Sex-Bildern
"Du wärst tot", sagt Amy Austin trocken zu ihrem Mann Jon. Das Paar aus Minneapolis hat gerade das TV-Geständnis des Abgeordneten Anthony Weiner verfolgt. Er hatte eingestanden, sexuell anstössige Bilder von sich im Internet verbreitet zu haben. Auch bei vielen anderen Paaren in den USA hat Weiner mit seinem Geständnis eine Diskussion darüber angestossen, wie denn eigentlich mit Beziehungen im Internet zu bewerten sind. Und als was das Versenden von anstössigen Fotos über Twitter, E-Mail oder andere elektronische Wege zu gelten habe - als visuelle Untreue im Cyberspace?
Fremdgehen im Internet beginnt bei Heimlichkeiten
Die Frage nach der Untreue sei ganz einfach zu beantworten, meint der 52-jährige Austin, der auf den leidenschaftlichen Kommentar seiner Frau offenbar nicht reagiert. "Würdest du es posten, wenn dir dein Partner über die Schultern sieht? Wenn ja, dann ist das nicht Untreue. Wenn nein, dann betrügst du."
Treuevorstellungen vieler Amerikaner verbieten Online-Flirts
Zahlreiche Menschen äußerten sich ähnlich wie Austin in den vielen Kommentaren, die bei der Nachrichtenagentur AP eingingen. Den Partner zu betrügen, sei demnach nichts, was man nur körperlich tue, das gehe auch virtuell im Internet. "Ich denke, der gefühlsmässige Verrat ist genauso schlimm", meint die 22-jährige Marissa Bholan. Eine verheiratete Person sollte ihrer Meinung nach nicht flirten, auch nicht online. Die Leute würden einem Trugschluss erliegen, findet Beky Hayes: "Ich glaube, es gibt die Vorstellung, dass das, was man online macht, nicht real ist, aber das ist es."
Fremdgehen über Online-Beziehungen als Flucht
Kimberly Young, Spezialist für Internetabhängigkeit, erklärt, dass viele Menschen sich in Online-Beziehungen flüchten, um dem alltäglichen Druck in der Anonymität des Internets zu entgehen. Dabei bestehe jedoch die Gefahr, dass sievon ihrem realen Leben abgetrennt werden. Die Menschen redeten sich dann ein, dass sie, sobald der Laptop geschlossen sei, nichts mit dem zu tun hätten, was sie online gemacht haben. Er habe schon erwachsene Menschen erlebt, die riesige Anstrengungen unternommen hätten, um solche Online-Eigenleben zu verschleiern, sagt Young, der auch als Psychologe arbeitet. "Sie glauben nicht, dass sie betrügen. Sie sagen: 'Ich liebe meine Frau'."
Posten von Sex-Bildern unter jungen Amis stark verbreitet
Unter jungen Erwachsenen ist das Posten von sexuell eindeutigen Bildern recht verbreitet, wie eine Studie des Pew Internet and American Life Projects im Mai vergangenen Jahres ergab. Darin erklärten 15 Prozent aller Erwachsenen, dass sie schon einmal ein "sexuell eindeutiges Nackt- oder Halbnacktfoto oder Video" auf ihrem Handy erhalten haben. Sechs Prozent haben schon einmal einen sexuell konnotierten Text verschickt. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen lagen diese Zahlen bei 31 Prozent und 13 Prozent. "Die weite Verbreitung unter jungen Erwachsenen hat uns überrascht", sagt Pew-Forscherin Amanda Lenhart. Aber das sei wohl Teil einer Entwicklung in den neuen Medien.
Für "echte" Singles hält das Internet viele spannende Portale zum Flirten und Chatten bereit.
Quelle: tagesanzeiger.ch
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