|
Seitensprung:
Eine Frau ist zu wenig
Basel, 02.12.2006 - Seitensprung – so leicht wie nie: Ein
Klick im Internet genügt. 100 000 Schweizer haben es schon
ausprobiert..
Deutliche Worte im Internet: «Ich suche einen Seitensprung oder
eine heisse Affäre. Melde Dich, wenn Du Lust hast mit mir zu ...»,
schreibt Patrick F.* (34) im Chat von webtreff.ch. Der Polizist aus
dem Kanton Zürich verkehrt täglich auf der Kontaktseite in der
Hoffnung sexhungrige Frauen zu finden. «Mit meinem Pseudonym ‹Katerpat›
bin ich anonym und fühle mich absolut sicher. So kann ich offen über
sexuelle Vorlieben und Wünsche schreiben», sagt der notorische
Seitenspringer. «Beim Treffen ist dann alles klar und man kommt
gleich zur Sache.»
F. ist seit vier Jahren verheiratet – glücklich, wie er sagt.
Seine Frau weiss jedoch nichts von diesem Treiben.
«Ich brauche diesen Kick»
Angst vor Entdeckung hat er keine. «Ich arbeite in Schichten, das
ist doch ideal. Wenn ich abends spät unterwegs bin, fragt mich meine
Frau nicht nach Details. Sie denkt, ich sei bei der Arbeit.» Lügen
möchte Fremdgänger F. eigentlich nicht, die Ehe sei ihm heilig. Und
auch zu Hause komme er sexuell nicht zu kurz. «Meine Frau und ich
wollen bald ein Kind. Deshalb schlafen wir sehr oft zusammen. Ich
begehre sie enorm.»
Und doch zwingt ihn, wie viele andere, «ein unerklärlicher
innerer Trieb» jeden Tag aufs Neue ins Internet, um heimliche
Sextreffs zu verabreden. «Ich brauche diesen Kick, ich will wissen,
wie es mit anderen Frauen ist, fremde Körper spüren, und mich total
gehen lassen können!» Das Leben sei zu kurz für nur eine Frau.
Keine Schuldgefühle
Wie seine Seitensprung-Partnerinnen aussehen, ist dem
Hobby-Bodybuilder egal. Hauptsache, sie stammen nicht aus der
Nachbarschaft. «Am liebsten verkehre ich mit den Frauen in meinem
Auto – das ist gross genug!», verrät F. Schuldgefühle verspürt
er keine. «In meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der
100-prozentig treu ist.»
Zum ersten Mal hat er seine Frau vor zwei Jahren betrogen, damals
mit einer Beamtin auf dem Polizeiposten. «Ich habe meiner Frau den
Seitensprung gebeichtet», so F., «das gab Riesenärger. Ich musste
ihr ewige Treue schwören, sonst hätte sie mich sofort verlassen.»
Erotischer Kick per Mausklick
Partnervermittlung Erst war es verboten, dann gefährlich, ein paar
Jahrzehnte lang extrem kompliziert, seit 2002 ist Fremdgehen nur noch
ein raffiniertes Spiel: Heute gibt man sich den erotischen Kick ganz
einfach per Klick. In der Schweiz bietet ein volles Dutzend Websites
Abenteuer per Internet. Hoch spezialisierte Portalbetreiber bringen
Menschen zusammen, die fremdgehen wollen. Ihr Angebot stösst auf
grosses Interesse: «In der Schweiz suchen mehr als 100 000
Interessierte über das Internet einen Seitensprung», sagt
Informatiker Henning Wiechers (32). Er betreibt die Internetseite
www.singleboersen-vergleich.ch. Anfangs hätten die Schweizer sehr
skeptisch reagiert. Mehr als die Hälfte aller Anmeldungen seien
wieder abgebrochen worden. «Doch die Angst wich der Neugier und heute
erlebt die Branche einen regelrechten Boom», so Wiechers.
Internet-Adresse genügt
Der Grund ist klar: Das Internet garantiert, was den Untreuen am
wichtigsten ist: absolute Anonymität. Und der Zugang ist einfach.
Für den Seitensprung braucht es bloss eine gültige Internet-Adresse.
Männer bezahlen für die Vermittlung bis zu 200 Franken, Frauen, die
auf allen Seiten in der Unterzahl sind, loggen sich kostenlos ein.
Gratis zieht immer: Auf 12 600 seitensprungwillige Männer kommen
beispielsweise bei direct-date 10 400 potenzielle Sexpartnerinnen.
Die virtuelle Sex-Börse deckt alle Wünsche ab: «Sternensucher»
(32) steht auf Kuschelsex. «SusiS» (35) liebt den «dirty-talk».
Der «Harteharry» (38) sucht eine Partnerin für Sado-Maso-Spiele.
Gefährliche Anonymität
Doch gerade in der Anonymität des Internets lauern Gefahren. «Zu
spät habe ich gemerkt, dass meine vermeintliche Seitensprungpartnerin
eine Prostituierte war», erzählt Fritz T.* (52) aus Basel und klagt:
«Als ich nicht zahlen wollte, drohte sie, ihre starken Kollegen
draussen im Auto auf mich zu hetzen.»
* Name der Redaktion bekannt
Quelle: blick.ch
|