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News von den Schweizer Singlebörsen
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In der Liebe herrscht Hochkonjunktur
Zürich, 06.10.2009 - Wenn die Wirtschaft kriselt, sehnen sich die
Menschen nach Liebe. Davon profitieren Partnervermittler im Internet, deren
Umsätze in diesem Jahr kräftig wachsen. Allerdings konsolidiert sich der Markt
- die rein schweizerischen Anbieter werden zunehmend verdrängt.
Seit Herbst 2008 «verzeichnen wir eine Steigerung der Anmeldezahlen um
20%», erklärt Sabrina Berndt, Sprecherin von Elitepartner.ch.
Das Portal ist seit 2005 in der Schweiz aktiv und gehört zur deutschen Tomorrow
Focus, einem Unternehmen der Hubert-Burda-Media-Gruppe. «Unsere Branche ist
krisensicher, denn die Liebe ist ein Grundbedürfnis, und in unsicheren Zeiten
steigt das Bedürfnis nach Geborgenheit in einer Partnerschaft», betont Berndt
weiter. Elitepartner.ch mit seinen aktuell 125.000 Mitgliedern rechnet in diesem
Jahr in der Schweiz denn auch mit einer Umsatzverdoppelung, ohne allerdings
genaue Zahlen zu nennen. 2008 habe der Umsatz im einstelligen Millionenbereich
gelegen, lässt Sabrina Berndt immerhin durchblicken.
Im Dschungel der Anbieter
Mehr als zwei Drittel der rund 1,1 Mio Schweizer Singles klicken sich heute
zwecks Partnersuche durchs Internet. Dort finden sich inzwischen mehr als 500
Kontaktanzeigen-Portale, Partnervermittlungen, Seitensprung-Agenturen und
ähnliche Services. Viele von ihnen sind Nischenanbieter, die sich nur an
bestimmte Interessengruppen richten. In diesem Dschungel die Übersicht zu
gewinnen, ist folglich gar nicht so einfach. Elitepartner.ch zählt zu jenem
halben Dutzend grösserer Anbieter, die den Markt dominieren. Bei diesen
Mainstream-Vermittlern liegen grundsätzlich alle richtig, die einfach auf der
Suche nach dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin sind, ohne
spezifischere Neigungen und Vorlieben.
Online-Dating hat sich längst von einem Nischendasein für Computerfreaks
zum Volkshobby entwickelt. Die Marktforschungsdaten des Portals
singlebörsen-vergleich.ch zeichnen ein deutliches Bild: Die Zahl der sich
monatlich auf den Dating-Portalen tummelnden Surfer ist in der Schweiz von
weniger als 100000 im Jahr 2001 auf weit über 750000 bis Ende 2008 angestiegen.
Die Kenner der Szene sind sich einig: In diesem Jahr dürfte die
Wirtschaftskrise der Branche gar noch einen Extraschub verleihen. Schliesslich
lasse sich eine Menge sparen, wenn man zum Knüpfen von Kontakten sein Geld
nicht erst in Bars und Kneipen ausgeben müsse, schätzt Branchenexperte Henning
Wiechers, der Betreiber der Seite singlebörsen-vergleich.ch.
Die Schweizerinnen und Schweizer sind - zusammen mit den Schweden -
europaweit offenbar die fleissigsten Flirter im Netz. Dies hat eine Studie der Parship
GmbH ergeben, eines Unternehmens der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.
Das europaweit tätige Portal mit 10 Mio Mitgliedern wird auch als «Mercedes
der Branche» bezeichnet. Und es profitiert offenbar ebenfalls von der Krise.
«Wir zählen gegenüber dem Vorjahr 10 bis 15% mehr Nutzer», sagt Martin
Dobner, Länderchef Schweiz. Parship.ch dürfte nach Zahl der registrierten
Mitglieder die Nummer eins auf dem Schweizer Markt sein. Die Parship-Klientel
gilt als besonders anspruchsvoll, denn die meisten Nutzer werden über die
Online-Portale renommierter Printmedien - «Neue Zürcher Zeitung», «Die
Zeit», «Spiegel» - gewonnen. «Unsere Mitglieder sind aktive und dynamische
Singles mit gehobenem Bildungs- und Einkommensniveau», betont Dobner. Er
verweist auf eine kürzlich gemachte eigene Umfrage: Das Internet ist - nach dem
Kennenlernen im Ausgang oder bei Freunden und Bekannten - zum drittwichtigsten
Kanal für die Partnersuche geworden.
Der Wettbewerb verschärft sich
Den Erfolg des elektronischen Mediums erklärt sich Dobner mit dessen
Effizienz: «Jeder kann hier zeitlich und örtlich unabhängig suchen, eine
Vielzahl potenzieller Partner kontaktieren und dann stufenweise kennenlernen.»
Um eine möglichst hohe Erfolgsquote zu erzielen, setzt Parship auf ein
wissenschaftliches Verfahren mit psychologischen Tests. Dieses Verfahren eruiert
Singles, die zueinander passende Persönlichkeitsmerkmale und ähnliche
Wunschvorstellungen haben. Waren in den Anfängen des virtuellen Beschnupperns
im Internet verschiedene Portale noch gratis, so verlangen heute die meisten
Anbieter monatlich zwischen 30 und 120 Fr. für eine Mitgliedschaft. Obwohl der
Markt gerade in der Krise kräftig wächst, verschärft sich der Wettbewerb im
Zuge der internationalen Konsolidierung. Nebst den bereits erwähnten deutschen
Kontaktbörsen Parship und Elitepartner ist in der Schweiz die französische
Meetic auf dem Vormarsch. Sie hat vor einem Jahr die Plattform Neu.ch und im
Juni 2009 Match.ch geschluckt. Nun dürfte sie bezüglich Mitglieder in der
Schweiz die Nummer zwei oder drei sein. Der börsenkotierte Konzern gibt
allerdings für die einzelnen Länder keine genaueren Zahlen bekannt.
Schweizer in der Defensive
Die zunehmende internationale Konkurrenz spüren vor allem die rein
schweizerischen Anbieter. Seit Anbeginn vor rund zehn Jahren ist zum Beispiel
Swissflirt.ch auf dem Markt. Das Portal, das der Firma Puzzle ITC Gmbh in Bern
gehört, hat eben einen kompletten Relaunch hinter sich. Allerdings sieht es
sich nicht als Krisengewinner. «Die Wirtschaftskrise hat sich bei uns bisher
weder positiv noch negativ bemerkbar gemacht», sagt Puzzle-ITC-Sprecherin
Regula Aeberli.
Die Zahl der Schweizer Anbieter ist zudem geschrumpft, weil zwei der
populärsten Schweizer Portale im Soge des Übernahmedeals Tamedia-Edipresse im
März 2009 fusionierten. Der Tamedia-Verlag hat Partnerwinner.ch an die
Edipresse-Tochter Comfriends SA verkauft, welche Swissfriends.ch
betreibt. Solche Marktbereinigungen und Übernahmeschlachten deuten an, dass auf
Dauer nur Erfolg hat, wer über eine gewisse Grösse verfügt. Denn klar ist:
Die Attraktivität einer Plattform steigt mit der Zahl der möglichen Partner,
die sie den Nutzern vermitteln kann.
Für die Zukunft sehen alle Anbieter noch grosses Wachstumspotenzial. «Wir
wissen, dass von den über 50-Jährigen rund 10% einen ihrer bisherigen Partner
übers Internet kennengelernt haben. Dieser Prozentsatz dürfte weiter
ansteigen», glaubt Martin Dobner. Und Sabrina Berndt prognostiziert, dass die
Marktsegmentierung der Branche weiteren Schub verleihen werde. «Ob Flirt oder
feste Beziehung, Hundefreund oder Akademiker - für jede Zielgruppe gibt es
mittlerweile das richtige Angebot», sagt sie. Zudem versichert die Branche
einmütig, dass die boomenden sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter
nicht etwa Gift seien, sondern nur gut fürs Geschäft: Diese Webseiten tragen
dazu bei, dass das Internet gesellschaftsfähig wird - in jeder Beziehung.
Quelle: handelszeitung.ch
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