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News von den Schweizer Singlebörsen
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Ich hab ein Date mit 99 Singles
Zürich, 15.02.2010 - Was passiert, wenn man sich mit einem Haufen Fremder
zum Essen verabredet? Nach Vorspeise, Hauptgang und Dessert in drei
verschiedenen Restaurants wurde ich zumindest einmal nach der Telefonnummer
gefragt.
Seit vergangenem Donnerstag gibts in Zürich noch eine Alternative zu Parship
und Co. oder Speed-Dating. Zwar auch ein Single-Event, doch nicht ganz so
verkrampft: Man geht Essen. Mit 99 weiteren Leuten. Die zufällig alle Single
sind. Na gut, versuchen wir es doch einmal.
Blind Date einmal anders
Das «Moving Dinner», wie sich der Event nennt, beginnt mit einem Apéro im
Zürcher Niederdorf. Die 70 Singles – beim ersten Durchgang ist der Anlass
noch nicht ausgebucht - mischen sich flott bei Prosecco und Bruschette. Sind das
die Loser-Typen, die ich erwartet habe? Nein, der dort hinten mit dem
gestreiften T-Shirt sieht doch ganz ok aus. Und auch die kleine Braunhaarige mit
der coolen Frisur, die mit der einen Hand das Cüpli-Glas hält und mit der
anderen wild gestikuliert, hätte ich niemals an diesem Single-Event für 25-
bis 35-Jährige erwartet. Es sieht auch nicht nach einem Haufen Verzweiflung,
sondern sogar nach echtem Amüsement aus.
Moderatorin Nicole führt durch den Abend. Nach einer Stunde Fingerfood und
Smalltalk steigt sie aufs Podestchen: «Austrinken, Jacken anziehen und beim
Herausgehen ein Los aus dem Champagnerkübel ziehen.» Auf meinem rosaroten
Zettel steht 21. Diese Nummer bestimmt, neben wem ich beim Hauptgang sitzen
werde. Bei manchen stellt sich ein Gemisch von Unsicherheit und Enttäuschung
ein, nicht mehr die beste Freundin neben sich zu haben, mit der man sich
angemeldet hat. Zwei Jungs sind schon ganz angetan von ihren bisherigen
Gesprächspartnerinnen und wollen sich der Sitzordung entziehen: «Also ihr
sitzt nachher neben uns!» Dann zieht die Gruppe weiter, alle 70 hinter der
Nicole, die einen Leuchtstab in die Luft hält. Etwas peinlich, aber irgendwie
auch lustig. Wenn jetzt nur kein bekanntes Gesicht vorbeiläuft!
Pferdedresseurstöchter und Banker an einem Tisch
Nächster Halt: das Restaurant Mère Catherine. Rechts von mir ein Mann,
vis-à-vis ein Mann, und links: eine Frau. Da sich mehr Frauen als Männer für
den Event angemeldet haben, ergibt sich eine unvermeidbare Asymetrie. Nachdem
alle Hände geschüttelt und Namen genannt wurden, macht sich Schweigen breit.
Zeit, sich die Leute etwas genauer anzuschauen. Und ins erste Fettnäpfchen zu
treten. Der Typ neben mir fragt: «Was ist deine Ausrede?» «Meine Ausrede,
warum ich hier bin?» Er lacht nicht. Scheisse, das hat er nicht gemeint. Er
wollte wissen, warum ich zu spät kam. Auch als ich ganz locker und direkt nach
den beiden Tattoos auf der Stirn frage - ein verkrampfter Versuch, unverkrampft
zu sein - wirds nicht besser. «Das sind Muttermale.» Ups. Blöd. Das war dann
wohl das Aus fürs Erste.
Nun gut, versuchen wirs mit einem Blick nach links. Da hätten wir die
Tochter eines ehemaligen Pferdedresseurs beim Zirkus, eine deutsche Doktorandin
und einen deutschen Banker, alle so proper herausgeputzt, als sässen sie im
Studio von Swissdate. Nicole wirft noch ein Eisbrecher-Thema in die Runde:
«Paare, bei denen beide Partner Schweizer sind, der Mann 5 Jahre älter ist als
die Frau, und die Frau eine höhere Ausbildung hat als der Mann, haben die
besten Chancen, dass die Beziehung hält.» Prüfende Blicke checken das Alter
der Gegenüber und Nebeneinander ab, alle machen Witze über den eigenen
Bildungsstand. Dann wird das Gespräch aber erst einmal von den Tätigkeiten der
Teilnehmer dominiert. Das scheint ein guter Einstieg. Rechts lachen die Leute
schon ausgelassen. Ich verpasse den Anschluss und wende mich nach links. Das
wird etwas schwieriger, denn es geht um Hotels im arabischen Raum. Das Burdsch
al Arab in Dubai hat doch tatsächlich sieben, und nicht sechs Sterne. Was sagt
man dazu? Die anderen erzählen von ihren Reiseerfahrungen und den
Mentalitätsunterschieden. Ich war nur mal in Bahrain. Im Flughafen.
Hauptgang mit viel Wein
Der Wechsel zur Tätigkeit des deutschen Bankers hilft auch nicht viel
weiter. Er will sich im nächsten halben Jahr selbstständig machen. «Wie
genau?» fragt die Doktorandin. Er nennt seine Tätigkeit und die seines
zukünftigen Partners und ich vergesse es im selben Augenblick schon wieder.
Niemand weiss, was das ist, mehr als nicken ist nicht drin. Am Tisch hinter mir
gibts ähnliche Schwierigkeiten. Als ein Mann mit radikalem Kurzhaarschnitt der
Frau vis-à-vis die Branche nennt, in der er tätig ist, weiss sie so schnell
nichts zu erwidern. Dann der rettende Einfall: «Und das Team?» «Ja, Team ist
gut.» Naja, was solls, während der 65 Minuten im Mère Catherine fliesst der
Wein in Strömen, und so wird auch das Gespräch immer flüssiger.
Obs denn stört, dass mehr Frauen als Männer anwesend sind, will ich wissen.
«Ach nö, das ist doch egal, ich wollte einfach mal neue Leute kennen lernen»,
so vor allem bei den Deutschen und Neuzugezogenen der Tenor. Die Saltimbocca mit
Safranrisotto und Spinat waren gut und auf so unterschiedliche Leute trifft man
sonst selten. Wirklich mal was anderes. Die Kellnerin räumt die leeren Teller
ab. Am Ende meines Tisches entdecke ich einen Teilnehmer, der die
Altersbeschränkung wohl etwas freier interpretiert hat. Ihm gegenüber eine
Blondine, die ich als scheue Langweilerin eingestuft hatte, die mir aber im
Verlaufe des Abends noch die Aufmerksamkeit eines Gigolos stehlen wird.
Neuer Ort, neues Glück
Beim Verlassen des Restaurants fischt meine Hand wieder im Champagnerkübel.
Diesmal erwische ich die Nummer zwei. Moderatorin Nicole schwingt ihren
Leuchtstab in die Höhe und der 70-Personen-Trupp bewegt sich in Richtung
Central. Die Leute sind deutlich entspannter, und wir fühlen uns alle schon
ganz verbunden. Auf dem Weg zu meinem Sitzplatz im Restaurant Commercio werd ich
von zwei Jungs angejohlt, mich doch zu ihnen zu setzen. Guten Mutes lächle ich
zurück, zieh aber weiter und setze mich an den Tisch mit meiner Nummer. Diesmal
stimmt das Männer-Frauen-Verhältnis. Das Dessert, der Drink und die DJane
werden angekündigt. Und dann gehts etwas deutlicher zur Sache. Obs an der
fortgeschrittenen Zeit liegt - es ist kurz vor Mitternacht - oder daran, dass
meine vorherigen Tischnachbarn einfach nicht an mir interessierrt waren, weiss
ich nicht. Doch nun wollen sie es wissen. «Wie bist du zu dem geworden, was du
bist?» «Warum isst du Fleisch?» «Was? Gaddafi bereitet dir Sorgen?»
Ich werde ganz offensichtlich eingestuft. Und mache mit. Hinter den Fragen
versteckt sich der Versuch, schnell und eindeutig Moral, Einstellung und
Lebensweise zu erkennen. Nach einer Weile wird klar, der neben mir, das ist
nichts. Gegenseitig. Wir drehen die Köpfe und wechseln Gesprächspartner. Next!
Als wärs das Normalste der Welt. Der neue Typ ist ehrlich gesagt auch nichts.
Aber er sieht gut aus, ihm sitzt der Schalk im Nacken und der Humor auf der
Zunge, da plaudert man gern ein bisschen weiter. Bis er sich dann einfach mir
nichts dir nichts abwendet und der nächsten Dame annimmt. Es ist die Blondine
von vorhin. Ihr ist auch nicht ganz wohl dabei und sie schaut mich fast so
intensiv an wie ihn. Doch den Typen schert das wenig, ich bin schon eingestuft,
er ist jetzt an ihr interessiert. So ist das wohl unter bekennenden Singles.
Zum Schluss eine Telefonnummer
Nach der Glace-Früchte-Kombination und dem Grappa löst sich die
Tischordnung langsam auf, die Leute trudeln durch den Raum, schwingen das
Tanzbein. Ich schwinge mit, bis ich mich an der Bar mit einer Bekannten und
einem St. Galler unterhalte. Er erzählt von Reptilien und
«Zollformalitätsproblemen», und obwohl er das nicht weiter ausführen will,
biegen wir uns vor Lachen. Als ich mich verabschiede, fragt er nach meiner
Telefonnummer. Meine erste Reaktion: Hä, warum das denn?! Aber dann wird mir
klar, dass das ja irgendwie doch der Zweck des Moving Diners war. Und dass einem
das nicht immer bewusst war, das spricht doch für die Veranstaltung.
Quelle: 20minuten.ch
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