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"Ich denke der 1'000'000ste User war wie ein Trampolin für LOVOO. Wir sind nicht mehr zu stoppen."

Tobias Börner

Mit-Begründer und CMO von LOVOO

Durchgeführt am 21. Januar 2014.

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Die Schweiz liebt LOVOO. Zumindest gibt es keinen mobilen Dating-Service, der so schnell wächst. Aber weshalb ist das so? Wir trafen Tobias Börner, den Mit-Begründer und Chief Marketing Officer von LOVOO, und nahmen ihn ins Verhör. Mit spannenden Ergebnissen...

Das ist Lovoo.net Flirt-App:

Mobile-Dating-App aus Deutschland, veröffentlicht 2011

Gesamtbewertung:

Grösse der Kartei:

über 1'300'000
aus der Schweiz

Premium-Kosten:

nutzbar ab CHF 0.--

Herr Börner, zunächst einmal Gratulation zum Erfolg von LOVOO. Aber uns ist eine Sache aufgefallen, die wir doch sehr spannend finden: Bei LOVOO lief einiges anders als bei der Konkurrenz. So kam bei Ihnen zuerst die App und dann die Webpräsenz. Hätte man sich diese in Ihrem Fall nicht sogar sparen können?

Börner: Interessant. Das bin ich letztens schon mal gefragt worden. Und ich gebe zu, dass diese Frage in unserem Fall durchaus nicht ganz abwegig scheint. Immerhin ist unsere App mit dem patentierten Live-Radar auf GPS-Basis das klare Aushängeschild von LOVOO. Und das macht natürlich in erster Linie unterwegs Sinn.

Allerdings ist es nicht ganz korrekt, dass bei uns zuerst die App kam. Schon davor haben wir nämlich mit der Webseite Dampfer.net unsere Erfahrungen gemacht. Der grosse Erfolg der Homepage zeigt uns zudem, dass es eine gute Entscheidung war, diese ins Leben zu rufen. Über 780.000 neue Mitglieder in 2013 sprechen eine klare Sprache...

Die Hemmschwelle des Flirtens ist sicher durch unser Angebot stark gesunken. Es wäre verwunderlich, wenn unsere Art zu flirten
nicht auch Einfluss genommen hätte.

Sie sprechen die Zahlen an, die LOVOO vorzuweisen hat. Die sind wirklich beeindruckend. 2011 ging es bei null los. Im Februar wird wohl die 7,5 Millionen-Marke fallen. Hätten Sie sich das zu Beginn vorstellen können?

Börner: Das ist immer eine gute Frage. Letztendlich hat man natürlich schon seine Erwartungen, wenn man so ein Projekt auf die Schiene setzt. Uns war auch immer bewusst, dass unser patentierter LOVOO-Live-Radar bei den Leuten sehr gut ankommen würde. Dass wir jetzt bei einigen Millionen Usern stehen, ist aber natürlich grossartig und hat letztendlich auch unsere Erwartungen übertroffen.

Und wer es jetzt schon gar nicht mehr aushalten kann:
Infos, Zahlen und Preise hier im grossen Lovoo Test zur Flirt-App!

Damit haben Sie und Ihre Mitarbeiter etwas möglich gemacht, was eigentlich nicht mehr für möglich gehalten wurde in der Branche: Sie haben es geschafft aus dem Nichts eine der grössten Seiten im Bereich Online-Dating aufzubauen. Wie haben Sie das geschafft?

Börner (lacht): Sie wollen jetzt von mir das oft zitierte Erfolgsrezept hören. Gut, ich werde versuchen, Ihnen die entscheidenden Faktoren aufzuzählen. Zunächst einmal hatten wir eine gute Idee, die über allem Stand. Dazu kam dann ein Team aus Experten im Bereich Dating und eine grosse Portion Motivation bei allen Mitarbeitern.


Aber alles lief auch bei LOVOO nicht rund. So hiess die Seite ursprünglich Kiss2Go. Verraten Sie uns, warum die Seite nach ganz kurzer Zeit schon wieder umbenannt wurde? Ein Marketingfehler?

Börner: Nein, auch Kiss2Go wäre sicher eine erfolgreiche Marke geworden. Das Problem war nur, dass sich schon nach ein paar Tagen ein Berliner Radiosender meldete, der die Namensrechte an dieser Marke beanspruchte und uns auch keine Erlaubnis für die Nutzung erteilen wollte. Wir standen jetzt vor der Wahl: Gerichtliche Auseinandersetzung oder Namensänderung?

Im Wissen, dass unsere Idee unabhängig vom Namen funktionieren würde, änderten wir kurzerhand Kiss2Go in LOVOO um. Unsere Anwälte sagten, wir hätten wohl auch vor Gericht Recht bekommen. Doch das war es uns damals nicht wert. Und letztendlich hat sich auch LOVOO durchgesetzt. Das wage ich jetzt mal zu behaupten...


...und wir geben Ihnen gerne Recht. Doch dafür müssen Sie und jetzt auch noch kurz berichten, welcher Sinn hinter dem Namen LOVOO steht. Wie ist der Markenname zustande gekommen?

Börner (lacht): Ich weiss gar nicht, ob ich das erzählen kann. Na gut, ich verrate es Ihnen. Sie müssen sich vorstellen, dass wir auf der Suche nach einem Markennamen waren und uns einig waren, dass das Wort Love irgendwo auftauchen sollte.


Welche anderen Datingportale sind super?

testbericht PARSHIP Schweiz

 1.
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 2.
LoveScout24 CH

testbericht Zoosk Schweiz

 3.
Zoosk Schweiz


Das ist ja noch nichts besonderes. Wie ging es weiter?

Börner: Wir stiessen bei unserer Suche auf ein Video mit einem Husky, der einen Laut von sich gab, der sich anhörte wie "Lovooooo". Wir schauten uns an und wussten, dass das unser neuer Name war. Wir wussten, dass der Hund uns nicht verklagen würde...


Danach gingen Sie dann als LOVOO auf Mitgliederfang. War das am Anfang nicht schwer? Wie lief Ihre Arbeit ab, sagen wir bis zur 100.000 Registrierung?

Börner: Am Anfang war die Arbeit natürlich eine ganz andere als heute. Wir waren von unserem Produkt überzeugt, wussten aber nicht, wie sich die User diesem annehmen würden. Diese Anspannung löste sich nach und nach, als immer und immer mehr User dazukamen. Mit jeder Neu-Registrierung fiel uns ein kleiner Stein vom Herzen. Dazu mussten wir uns natürlich auch im Bereich App-Marketing stetig mitentwickeln. Letztendlich bin ich froh sagen zu können, dass es gut geklappt hat.


Welcher Moment war aus Ihrer Sicht der Durchbruch? Ab wo ging es so steil bergauf? Heute sind europaweit immerhin mehr als sieben Millionen User bei LOVOO angemeldet.

Börner: Ich denke der 1,000,000 User war wie ein Trampolin für uns. In den Tagen danach stand unser Telefon nicht still. Die Presse wollte über dieses "Phänomen" berichten. Es folgten diverse Berichte in der schweizerischen Presse - und unsere Bekanntheit stieg rasant. Gepaart mit einer sehr hohen Weiterempfehlungsrate entstand LOVOO wie es heute ist. Man ist fast geneigt zu sagen: Wir sind nicht mehr zu stoppen. Aber damit sollte man ja vorsichtig sein...


Kommen wir noch mal auf die Unterteilung App und Datingseite im Netz zurück: Verraten Sie uns wie viele User das Web nutzen und wie viele die App?

Börner: In der Schweiz, Österreich und Deutschland ist die App nach wie vor die ganz klare Nummer eins und wird es auch bleiben. Wir reden von rund 92,2%. Die restlichen 7,8% nutzen die Datingseite im Internet, sind aus unserer Sicht aber nicht zu vernachlässigen. Denn unser Ziel muss es ja sein, sowohl die mobilen Nutzer als auch die nicht iOS- und Android-User zu erreichen.


Badoo und MeetOne sind in einem ähnlichen Feld unterwegs wie sie. Was unterscheidet die drei Apps und haben sie die beiden anderen Seiten geprägt?

Börner: In einer gewissen Weise ja, das möchte und kann ich nicht verleugnen. Wir haben uns am Anfang natürlich am grossen Erfolg dieser Seiten orientiert. Sie haben uns gezeigt, was in diesem Bereich überhaupt machbar und realistisch ist. Allerdings können wir heute selbstbewusst behaupten, dass wir uns von diesen Seiten deutlich unterscheiden und vielleicht auch abheben. Denn den patentierten Live-Radar gibt es in dieser Form nur bei uns.

LOVOO App Flirtradar
LOVOO App Flirtradar

Wo hat LOVOO denn Stärken und Schwächen im Vergleich mit den beiden anderen genannten Seiten?

Börner: Es klingt vielleicht im ersten Moment ein bisschen anmassend, aber wenn es gravierende Schwächen im Vergleich mit den anderen Seiten gäbe, hätten wir diese schon abgestellt. Auf der anderen Seite sehe ich unseren Hauptvorteil in der Stabilität unserer GPS-basierten Mobil-Anwendung. Mit unserer Software kommen die Leute schneller an ihr Ziel. Ich sehe ebenso mehr spassbringende  Ideen bei unserem Angebot. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.


Friendscout drängt jetzt mit einer ähnlichen Anwendung auf den Markt. Zittern Ihnen die Knie vor diesem Giganten?

Börner (lacht): Nein, nicht wirklich, was allerdings nicht an geringer Wertschätzung für Friendscout24 liegt. Es geht eher darum, dass Friendscout nicht wirklich am selben Teich fischen wird wie wir. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit unserer seit Jahren erprobten und stabilen Software in Kombination mit offenen Ohren für unsere Kunden keine Kunden an den neuen Bewerber verlieren werden. Ich gebe aber gerne zu, dass uns ein solcher Einstieg weiter anspornt.


Wir würden den typischen LOVOO-Nutzer als modernen 30-Jährigen vor unserem inneren Auge sehen. Welche Merkmale können Sie unserer Vorstellung vom LOVOO-User-Prototypen hinzufügen? Wie tickt der typische LOVOO-Nutzer?

Börner: Ich bin kein Freund solcher Pauschalisierungen, möchte Ihnen an dieser Stelle aber gerne etwas helfen. Also, unsere User sind zumeist junge Erwachsene zwischen 17 und 35 Jahren, die meisten von ihnen stammen aus grösseren Städten. Zu den LOVOO-Mitgliedern muss man ausserdem wissen, dass sie nicht alle Singles sind. Wir haben auch viele Mitglieder, die einfach nur kontaktfreudig und auf der Suche nach netten Menschen ist. Knapp über 60% der User sind männlich. Mode, Musik und Lebensfreude haben bei vielen einen grossen Stellenwert.


Es gibt immer wieder Stimmen, die behaupten, dass bei LOVOO viele Damen unterwegs seien, die gar nicht so privat angemeldet sind. Was sagen Sie zu diesen Anschuldigungen und wie können sich die User davor schützen?

LOVOO App Cha
LOVOO App Chat

Börner: Diese Anschuldigungen sind nur zum Teil richtig. Die Anzahl dieser Damen ist verschwindend gering. Aber leider können wir nicht ausschliessen, dass es mal eine Dame in unser Netzwerk schafft. Das liegt daran, dass wir es mit lebenden Menschen zu tun haben. Und die sind halt clever - zumindest manchmal. Wir tun aber alles, um diese Personen schnellstmöglich wieder zu verbannen.

Dazu haben wir jetzt eine spezielle Verifizierungsfunktion ins Leben gerufen, die schon mal den Grossteil der viele Menschen abhält, die unsere Plattform missbrauchen wollen. Die restlichen Personen, die es durch unser Netzwerk schaffen, können wir dann anhand von Meldungen anderer User identifizieren und rauswerfen.


Wie viel Prozent der Nutzer auf Ihrer Seite sind eigentlich Premium-Kunden und nutzen die entsprechenden Funktionen?

Börner: Bei den Neu-Registrierungen sind es aktuell etwa 15%, die sich für diese Zusatzservices entscheiden. Die Tendenz ist auch hier steigend.


Wir haben natürlich auch Ihre LOVOO-App genau unter die Lupe genommen. Dabei nervte unsere User, dass unter der Woche fast immer dieselben Personen online waren. Wieso ist der Spass-Faktor am Wochenende so viel höher?

Börner: Das liegt ein bisschen in der Natur der Sache. Wir haben viele junge Leute bei uns, die natürlich vor allem am Wochenende Zeit haben und da etwas machen können. Unser Live-Radar ist natürlich dann auch am interessantesten, wenn die Jugendlichen und jungen Erwachsenen rausgehen, um zu feiern und Leute kennenzulernen. Mittlerweile gehen auch viele Leute gezielt raus, weil sie die LOVOO App haben, was uns natürlich sehr freut. Auch unter der Woche ist aber durchaus was los, vor allem in den grossen Städten. Die Mobilität der User bestimmen aber natürlich nicht wir.


In einigen Foren sind wir auf den Vorwurf gestossen, Dating bei LOVOO sei recht oberflächlich. Wir sehen Sie das?

Börner: Wenn Sie in einem anderen Forum lesen, wird sicher irgendwer genau das Gegenteil behaupten - oder eben auch nicht, weil negative Kritik im Netz stärker haften bleibt. Ich denke, dass bei uns nicht oberflächlicher geflirtet wird. Die einen flirten so, die anderen so. Wir haben Zuschriften von Ehepaaren, die sich über unsere App kennengelernt haben. Der erste Kontakt war dort vielleicht auch ein bisschen oberflächlich à la "Na, wie geht's". Aber es kommt ja drauf an, was die User daraus machen.


Wir beim grossen Singlebörsen-Vergleich sind davon überzeugt, dass es so was wie eine Dating-Kultur in der Schweiz gibt, die sich nach und nach weiterentwickelt. Die Leute wissen, was man so machen darf und was nicht. Glauben Sie, dass auch LOVOO zu dieser Dating-Kultur beigetragen hat? Und wenn ja, in welcher Weise?

Börner: Zunächst einmal bin ich mir sehr sicher, dass LOVOO einen Einfluss auf diese von Ihnen erwähnte Dating-Kultur hatte und hat. Allein schon die Art des Datings ist ja eine andere als es sie vorher gab. Man sieht live, wer sich gerade in der Nähe befindet und einen kennenlernen möchte. Die Hemmschwelle des Flirtens ist sicher durch unser Angebot stark gesunken. Es wäre verwunderlich, wenn unsere Art zu flirten, nicht auch Einfluss genommen hätte.


Zum Schluss würden wir gerne noch Ihre Fähigkeiten als Wahrsager ein wenig auf die Probe stellen: Was glauben Sie, wann knackt LOVOO die 10-Millionen-Grenze?

Börner: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass diese Grenze Mitte des Jahres 2014 geknackt werden dürfte. Allerdings muss bis dahin auch alles weiter so rund laufen wie bisher. Dagegen spricht im Moment allerdings nichts.


Das sehen wir genau so! Wir wünschen Ihnen und LOVOO ein erfolgreiches Jahr 2014 und ein schnelles Erreichen der 10-Millionen-User-Grenze.

Neugierig geworden?

Das Interview führte:

Daniel Baltzer beobachtet seit 2005 die Online-Dating-Szene in der Schweiz und gilt in den Medien als führender Experte zum Thema. Seine Frau hat er allerdings nicht online kennen gelernt.
» Ich freue mich auf Ihre Anregungen!

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